|
|
Die homoerotische
Photographie des beginnenden 21. Jahrhunderts ist ohne
das Körperideal der antiken Griechen und Römer, deren
Fortsetzung in der Renaissance und Klassik und auch ohne
Leni Riefenstahls Film über die Olympischen Spiele in
Berlin undenkbar. Im Gegensatz zum heterosexuellen
männlichen Künstler, der die Rolle des schönen und
attraktiven Geschlechts bereitwillig der Frau überläßt,
feiern schwule Photographen ungeniert und unzensiert das
eigene Geschlecht. Dabei greifen sie oft auf die alten männlichen
Ideale, wie starker Körperbau und austrainierte Muskeln
zurück. Neben dieser Ästhetisierung maskuliner
Aggressivität und Leidenschaft, widmet sich Henning von
Berg aber auch den nachdenklichen Momenten und
Stimmungen und setzt auch diese leisen, einsamen
Augenblicke gekonnt in Szene. Sein Portfolio, das
zweifellos zu den Großen der Gegenwart gehört, erfreut
sich zu Recht einer stetig steigenden Zahl von Fans,
nicht nur in der Schwulengemeinde.
|
|
"Der
Akt-Architekt"
Cosmopolit und Weltenbummler
Im ellenlangen Stammbaum seiner Traditionsfamilie hat sich
Henning von Berg auf ganz persönliche Art einen
besonderen Platz verschafft: er wird die jahrhundertealte
Linie einfach beenden, weil er - obwohl einziger Sohn -
eine Fortpflanzung schlichtweg strikt verweigert.
Sein frühes Coming-Out führt zum ersten Bruch mit den
Eltern. Henning fühlt sich nirgendwo richtig zuhause und
nutzt jede freie Minute zur Flucht in die Ferne.
Aufgewachsen in Norddeutschland, pendelt er bereits als
Schüler und Student regelmäßig zwischen dem Harz,
Hamburg, München und Berlin hin und her. Um seinem
strengen und beruflich erfolgreichen Vater zu imponieren,
beweist sich der ehrgeizige Sohn durch fleißiges Pauken.
Da er wegen seines Organisationstalentes Anerkennung
findet, engagiert sich der überzeugte Teamworker in einer
Vielzahl gesellschaftspolitischer Emanzipationsprojekte.
Beeinflußt durch sein liberal-konservatives Elternhaus,
betätigt er sich zunächst in allerlei ehrenhaften
Brotberufen. Der junge Akademiker beginnt als
Planungsingenieur eine Karriere in einem Industriekonzern,
nebenbei betätigt er sich als Designer und Architekt. An
den Wochenenden zigeunert er ruhelos zwischen den
Metropolen London, Paris und Amsterdam. Mit den von dort
importierten Maßstäben setzt er dann tatkräftig weitere
neue Ideen um. Im Laufe der Zeit befreit er sich immer
mehr aus bürgerlichen Zwängen und findet seine wahre
Berufung schließlich als freischaffender Autor, Fotograf,
Vermittler, Produzent und Veranstalter. Er wird als
Initiator und Aktivist zur omnipotenten
„Medienperson“, worauf sich seine Familie von ihrem
„schwarzen Schaf“ immer mehr distanziert.
Nach einem dreijährigen Intermezzo in Köln versucht der
„Zigeunerbaron“ sein Glück 1999 als Fotograf in
Kalifornien. Auf Einladung einer renomierten Kunststiftung
in Hollywood erhält er die Chance einer ersten
Fotoausstellung in Amerika. Aufgrund des künstlerischen
Erfolges entscheidet sich Henning von Berg, regelmäßig während
des Winterhalbjahrs in dieser exotischen Sonnenlandschaft
zu produzieren. Seither lebt er abwechselnd in Berlin und
Los Angeles.
(Text: Dr. Anja Bewersdorff, Los Angeles)
|

www.Henning-von-Berg.de
|